12.10.2007

Enterprise 2.0 – offene Unternehmenskultur

Ich habe mir in der letzten Zeit ein paar Artikel und Weblogs über das Thema “Enterprise 2.0″ durchgelesen, was finde ich ein wirklich interessanter Ansatz ist…
Der Begriff ist wohl grundsätzlich von der Bezeichnung “Web 2.0″ abgeleitet und meint, dass in einem Unternehmen Mentalitäten, Vorgehensweisen sowie auch Softwarelösungen, welche von Web 2.0- Projekten bekannt sind, eingesetzt werden.
Betrachtet man große Web 2.0- Portale wie Facebook, StudiVZ, YouTube, Wikipedia oder Qype so stellt man fest, dass diese inhaltlich fast ausschließlich durch die Benutzer geprägt werden und eine ständige soziale Interaktion zwischen verschiedenen Menschen stattfindet. Jeder ist berechtigt, Inhalte hinzuzufügen und Inhalte anderer Nutzer zu kommentieren und zu bewerten.
Durch Texte, Videos und weitere Elemente kann jeder Nutzer so seine individuellen Meinungen und Ideen zu verschiedensten Themen und zu Beiträgen anderer vertreten, ohne dass diese generell durch Kontrollinstanzen zensiert oder verändert werden. Es gibt unter den Nutzern keine klar definierten Hierachien – jeder Webbenutzer ist zunächst einmal gleichberechtigt. Die Akzeptanz und Beliebtheit eines Benutzers ist vielmehr davon abhängig, wie er in dem entsprechenden Netzwerk agiert und sich für bestimmte Zielsetzungen engagiert (z.B. einfach dargestellt durch die häufige Beantwortung von Fragen in Foren oder durch die Bereitstellung von Wissen oder Medien). So entwickelt sich automatisch in jedem dieser Web 2.0- Netzwerke eine eigene auf sozialen Gesichtspunkten basierende Ordnung, welche sehr flexibel und dynamisch ist und sich laufend ändert.

Die Idee, die hinter dem Begriff Enterprise 2.0 steckt (auch wenn dieser bislang nicht sehr präzise definiert wurde) basiert abstrakt gesehen auf den gleichen Prinzipien. Er meint, dass festgelegte, starre Hierachien in Unternehmen weitestgehend minimiert werden sollten und jeder Mitarbeiter zunächst einmal in einem hohen Maß gleichberechtigt ist, sich möglichst umfassend über sämtliche Aktivitäten des Unternehmens informieren kann, jeder Zeit in der Lage ist, eigene Ideen einzubrigen und das Verhalten Anderer kritisieren und bewerten kann.
Das bedeutet in der Praxis zum Beispiel, dass die strikte Strukturierung des Unternehmens in einzelne Abteilungen aufgelöst oder zumindest minimiert oder hinterfragt wird. Anstelle der Strukturierung in Abteilungen sollten weitestgehend Teams nach Anforderungen gebildet werden, welche sich beispielsweise auch selbst nach fachlichen oder sozialen Gesichtspunkten zusammenstellen könnten.
Es muss eine Basis geben, auf der eine ständige Kommunikation und Einbeziehung zwischen aller im Unternehmen beschäftigen Mitarbeiter möglich ist. Und nicht zuletzt muss die Untenehmensführung entsprechend offen und kritikfähig sein und den gesamten Prozess aktiv unterstützen. Gerade dieser Punkt ist mit Sicherheit einer der problematischsten im System, denn auch Vorstandsmitglieder müssen sich so direkter Kritik aussetzen und natürlich den Mitarbeitern ein sehr hohes Maß an Freiraum lassen.

Damit diese Form der Organisation in Unternehmen ab einer bestimmten Größe oder mit mehreren Niederlassungen überhaupt funktioniert, ist eine größtmögliche Vernetzung der Mitarbeiter nötig. Hier ist wird wieder der “Bogen” zum Web 2.0 geschlagen, denn was wäre besser für diesen Zweck geeignet als eine Software, welche ähnlich den Web 2.0- Protalen aufgebaut ist?
Diese wird, natürlich speziell angepasst, bereits von unterschiedlichen Unternehmen entwickelt, meist unter der Bezeichnung Social Enterprise Software und beinhaltet Intranetlösungen für Wikis, Mitarbeiterblogs, Projektmanagement, Unternehmensinformationen, Mitarbeiterdatenbanken, Bewertungs- und Kritikfunktionen u.v.m.

Einer der Hauptakteure in der Verbreitung und Entwicklung des Ansatzes von Enterprise 2.0 in Deutschland ist Sören Stamer, der in seinem Blog Superdistribution.net, über welchen ich eigentlich erst auf dieses Thema gekommen bin, ausführliche Informationen bereitstellt. Er ist außerdem CEO von der Firma CoreMedia AG, die unter anderem Social Software für Ihre Content Management Lösung anbietet.

Ich glaube, dass diese Art von offener Unternehmenskultur viele Firmen auf lange Sicht deutlich weiter bringen würde, da man als Mitarbeiter denke ich wesentlich motivierter ist, wenn man die gesamten Geschäftsprozesse überblicken kann, die Mitarbeiter auch außerhalb der eigenen Abteilung besser kennenlernt und an der Strategie und zukünftigen Entwicklung der Firma aktiv teilnehmen kann. Innovationen und Verbesserungsvorschläge finden so wohl wesentlich schneller den Weg bis zur Umsetzung und das Know- How der Mitarbeiter wird wesentlich effizienter genutzt.

Es ist natürlich die Frage in wie weit das Konzept in sehr großen Konzernen funktioniert, aber ein interessanter Ansatz ist es finde ich auf jeden Fall.

Kommentare

Hi Philipp,

herzlichen Dank für die “Blumen”. Freut mich.

Es gibt ein paar schöne Ausarbeitungen zu den “Naturgesetzen” hinter der Enterprise 2.0 Bewegung. Besonders spannend fand ich das Buch “The Future of Work” von Thomas W. Malone. Er vergleicht den Paradigmenwechseln, den wir gerade in den Unternehmen erleben, mit den Revolutionen und der Demokratisierung am Ende des 18. Jahrhunderts. So kann man sich heute nicht mehr vorstellen, dass es damals ebenso unverstellbar schien, ohne König als Alleinherrscher aus zu kommen. Ebenso wird in vielen Unternehmen argumentiert: “Wir brauchen einen Entscheider.” Und das ist fraglich.

Malone sieht den Auslöser für diese Entwicklung übrigens in Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Je mehr schneller und günstiger Informationen verbreitet werden können, desto mehr Dezentralität wird möglich und aufgrund der damit verbundenen Freiheit meist wünschenswert.

Das ist die spannendste Transformation in unserer Gesellschaft, die ich mir gegenwärtig vorstellen kann. Die Konsequenzen sind kaum absehbar. Viel Spaß beim Entdecken.

Beste Grüße aus San Francisco vom Web 2.0 Summit

Sören

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